Politforum 08/2018

Biodiversität fördern.

Worb hat schöne Naherholungsgebiete. Was wir vor lauter Grün nicht wahrnehmen, ist der schleichende Verlust der Biodiversität. Im Gegensatz zu anderen Umweltproblemen verläuft das Verschwinden einzelner Arten und Lebensräume weitgehend unsichtbar. Die Gesellschaft gewöhnt sich an die Veränderungen, bevor sie wahrnimmt, was verloren gegangen ist. Bund, Kanton und die Gemeinden sind sich heute bewusst, dass mehr für die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren gemacht werden muss. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft und unsere Naherholungsgebiete, sondern in hohem Mass auch unseren Siedlungsraum. Ein Nachteil der verdichteten Bauweise ist, dass in den Zentren der Boden immer mehr versiegelt und oft auch verdichtet wird. Das nimmt nicht nur Pflanzen und Tieren den Lebensraum weg, sondern führt zu Problemen, die wir alle kennen: Wasser versickert nicht mehr, die Luft erhitzt sich zu stark und enthält zu viel Feinstaub. Dabei bietet sich auch in dicht besiedelten Lebensräumen eine Reihe von Massnahmen an, die Abhilfe schaffen können.

Ein grosses, noch schlecht genutztes Potenzial bietet die Bepflanzung von Flachdächer und Fassaden. Das würde viele Vorteile bringen. Der Schall wird besser geschluckt, Wasser wird zurückgehalten, Staub wird herausgefiltert und das Innenklima ist angenehmer. Die Bepflanzung ist nicht nur schön anzusehen, sondern ist auch ein Schutz für die Dachhaut und Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten die Artenvielfalt in den Siedlungsräumen zu schützen. Neben Rasenflächen sollte es auch immer einen Streifen Magerwiese haben. Büsche und Bäume aus 100% einheimischen Pflanzen sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Um die Artenvielfalt zu schützen und zu fördern braucht es grosses Wissen und eine gute, vernetzte Planung. Es reicht nicht, dieses Wissen nur auf gemeindeeigenem Boden anzuwenden und gutgemeinte Ratgeberbroschüren auf der Website aufzuschalten. Wer am Planen und Bauen ist wird wohl zuletzt Zeit finden, solche Informationen zu suchen. Da braucht es von Seiten der Behörden Unterstützung mit Fachwissen und griffige Auflagen bei den Bauvorgaben.

In Rüfenacht und Worb werden zurzeit einige grosse und prägende Bauten realisiert. Ein sorgfältiger Umgang mit den Böden und eine naturnahe Gestaltung der Aussenräume kann die Nachteile der Verdichtung wett machen. Das bringt nicht nur den neuen Bewohnern mehr Lebensqualität, sondern ist auch eine Bereicherung für die ganze Gemeinde.

 

Sibylle Flentje, GGR-Mitglied Grüne Worb