Politforum 03/2018

Armut in Worb

Armut hat viele Gesichter. Manche davon kennen wir und andere leben im Verborgenen.
Der Sozialstatistik zufolge erhielten 2016 in unserer Gemeinde 644 Personen wirtschaftliche Sozialleistungen, 458 Personen Ergänzungsleistungen und 102 Personen Hilflosenentschädigung. Nicht erfasst werden Menschen, die am Existenzminimum leben und sich mehr schlecht als recht durchs Leben kämpfen. Viele Bedürftige beziehen keine Sozialhilfe, obwohl sie ein Anrecht darauf hätten. Sei es aus Scham, weil sie dem Staat nicht zur Last fallen wollen oder weil sie überfordert sind, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Im Kanton Bern verzichtet fast ein Viertel aller Anspruchsberechtigten auf Fürsorgegelder.
Unsere Gesellschaft lebt nach dem Motto: «Jeder ist seines Glückes Schmied». Staatliche Unterstützung zu erhalten ist deshalb für Viele demütigend und selten wird darüber gesprochen. Der Gang zum Sozialamt ist schwer und wird so lange wie möglich vermieden.

Diese Hemmungen zeigen auch unerwünschte Folgen.
Melden sich Bedürftige nicht beim Sozialdienst, fehlt ihnen auch die professionelle Beratung. Dies kann ihre finanzielle und gesundheitliche Situation weiter verschlimmern und bei Familien gravierende Folgen für die Kinder haben. Oft wird Armut so vererbt.
In der Sozialhilfe sind die Spielräume der Gemeinden meistens begrenzt. Hauptsächlich die Kantone bestimmen die Regeln der Existenzsicherung.

Der Kanton Bern plant nun eine extreme Sparrunde. Bürgerliche Politiker möchten den Grundbedarf um 10% senken. Ursprünglich hat man sich zur Berechnung des Grundbedarfs an den Lebenshaltungskosten orientiert. Heute wird die Höhe der Beiträge rein politisch festgelegt.
Ein kleiner Spielraum aber bleibt den Gemeinden. Vor allem bei Leistungen ausserhalb der vorgegebenen Normen. Da können Sozialämter Leistungen übernehmen und Armutsbetroffenen ermöglichen, an Fördermassnahmen teilzunehmen.
Informations- und Beratungsangebote sind in unserer Gemeinde vorhanden. Sie erreichen jedoch sozial benachteiligte und fremdsprachige Familien nur schwer.

Die Gemeinde Worb sollte sich deshalb aktiv darum bemühen auch diese Personen zu erreichen um Beratung und Unterstützung anzubieten. Frühzeitige und gezielte Hilfe kann so oft eine jahrelange Abhängigkeit verhindern.

Sibylle Flentje, GGR-Mitglied Grüne Worb