Politforum 02/2019

Die Gretchenfrage: Macht eine Steuersenkung unsere Gemeinde attraktiver?

Alle Jahre wieder. Das Hohelied der Steuersenkung wird angestimmt.

Die Frage, wie sich Neuzuzüger anlocken lassen, stellt sich auch in vielen anderen Berner Gemeinden. Die bürgerliche Antwort lautet: tiefe Steuern. Nicht unerwartet ist deshalb die Forderung der FDP, dass die Gemeinde im nächsten Finanzplan aufzeigen soll wie sich eine Reduktion des Steuersatzes um 0.5 Zehntel auswirken würde. Auflage ist, dass sich die Gemeinde nicht höher als 40 Mio. verschulden darf und das Eigenkapital von 5 Mio. erhalten bleibt.

Einfach gesagt: Es sollen weniger Steuern erhoben werden und dafür kürzen wir die Ausgaben.

Es stellt sich nur die Frage wo gekürzt werden soll? Auf was wollen wir verzichten? Welche Unterhaltsarbeiten noch weiter hinauszögern?

Die Antwort darauf kann der neue Finanzplan aufzeigen. Eine Variante mit tieferem Steuersatz soll gerechnet werden. Aus Sicht der Grünen ist diese Rechnung überflüssig. Seit Jahren zögern wir Unterhaltsarbeiten hinaus. Der Investitionsstau beträgt mittlerweile mehrere Millionen Franken. Neue Forderungen, wie das Kunstrasenspielfeld werden dann endgültig ein Traum bleiben.

Wollen die bürgerlichen Parteien in Worb tatsächlich die Steuern senken oder ist das nur Parteiprogramm? Es ist zu hoffen, dass konkrete Zahlen im Finanzplan und im Budget die Steuersenkerlobby zur Einsicht bringt.

Worb ist ein regionales Zentrum mit guter Infrastruktur. Was uns attraktiv macht sind Schwimmbad, Eisbahn, Tennisplatz, eine grosse Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten, gute Schulen und Kinderbetreuungsangebote, eine tolle Bibliothek und ein gut ausgebautes ÖV Netz. Mit unseren Steuern bestreiten wir den Unterhalt und den Ausbau dieser Angebote.

Mit einer Senkung des Steuerfusses von 1.7 auf 1.65 wäre Worb ähnlich attraktiv wie Vechigen; steuertechnisch jedenfalls.

Zur Veranschaulichung: Ein Haushalt, mit dem stolzen Nettoeinkommen von CHF 100`000.— bezahlt in unserer Nachbargemeinde nur CHF 174.— weniger Steuern pro Jahr.

Mit der Internetseite https://www.comparis.ch/steuern/steuervergleich/default können sie den Vergleich mit ihrem Nettoeinkommen selber berechnen.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Das Wenige, das jeder Einzelne einsparen kann, steht in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen, die eine Steuersenkung auf unserer Gemeinde hätte.

Worb hat eine günstige Lage, vielfältige Freizeitangebote und eine hohe Lebensqualität. Da wir in absehbarer Zeit sicherlich kein Steuerparadies werden, sollten wir uns darauf konzentrieren unsere Stärken zu pflegen.

Sibylle Flentje
GGR Mitglied