Politforum 13/2018

Platzangst

Und einmal mehr soll in unserer Gemeinde ein neuer Platz gestaltet werden. Rüfenacht wird den lange ersehnten Treffpunkt im Dorfzentrum erhalten. Die Befürchtungen in der Bevölkerung sind gross, dass auch dieser Begegnungsort nicht zum Leben erweckt wird. Einen Platz zu haben, der ein paarmal im Jahr für einen Anlass genutzt werden kann ist das eine. Den Platz so zu gestalten, dass er im täglichen Leben zum Verweilen einlädt, das andere.
In dieser Hinsicht hat unsere Gemeinde leidvolle Erfahrungen gesammelt und offensichtlich nicht viel dazugelernt.

Auch im Zentrum von Worb wurden im Zuge der Neugestaltung der Bahnhof-und Bernstrasse zwei neue Plätze oder Begegnungszonen geschaffen. Wo fragen sie sich? Der Sternen- und der Hirschenplatz natürlich. Was auf den Plänen aussah wie eine Piazza mit italienischem Flair, ist in Realität nichts weiter als eine stark verbreiterte Strasse. Von Bistro-Tischchen die in den verkehrsberuhigten Strassenraum gestellt werden, von schönem Bodenbelag und viel Begrünung keine Spur. Die an die Plätze angrenzenden Gastrobetriebe haben in gutbürgerlicher Manier ihre Sitzplätze vom öffentlichen Raum abgegrenzt. Entgegen allen Erwartungen aus der Bevölkerung wird das wahrscheinlich auch so bleiben.

Nun bleibt in Worb noch ein Platz übrig, um das Zentrum attraktiv zu gestalten und zu beleben. Der Dorfschulhausplatz. Bequeme Sitzbänke, schattenspendende Bäume oder Überdachungen, einen Brunnen oder Wasserkanal, Blumen und Rasen. Kurz, eine Möglichkeit zum Verweilen und Spielen; das wäre mein Wunsch.
Die Realität wird wohl anders aussehen: Erweiterungsbau der Tagesschule und Asphalt und vielleicht ein paar Bäume.

Wie so oft, wenn keine ganzheitliche Planung besteht, setzt sich der öffentliche Raum aus den Restflächen einzelner Projekte zusammen, die dann möglichst kostengünstig den verschiedenen Bedürfnissen angepasst werden. Eigentlich sollte es heute selbstverständlich sein, dass Landschaftsplaner bei jedem aktuellen Projekt mit einbezogen werden um die Ziele für einen qualitativ guten öffentlichen Raum im Gesamtprojekt zu verfolgen und durchzusetzen. Werden diese Chancen nicht genutzt, lassen sich die Folgen nur mit grossem Aufwand wieder korrigieren.

Unsere Dörfer brauchen nicht nur neuen, attraktiven Wohnraum, sondern auch ein Zentrum in dem sich die Menschen wohl fühlen und sich gerne aufhalten.

Sibylle Flentje
GGR-Mitglied Grüne